13.07.2009 Der Landrat in Tollhausen

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Presse

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Ein Artikel von der Gemeindehomepage klick hier

Schweinemastanlage in Tollhauswen


 Auf diesem Areal zwischen Esch und Tollhausen soll die Schweinemastanlage entstehen



Widerstand gegen geplante Schweinemastanlage in Tollhausen

Landrat Werner Stump nimmt Unterschriftenliste vor Ort entgegen

Ortsvorsteher und Gemeinde-Schiedsmann Rudolf Habrich ist sauer auf die "Schweinerei", die seinem Ortsteil Tollhausen bevorstehen kann. Aber nicht nur er sondern auch etwa 300 andere Bürger in und um Tollhausen unterstützen ihn in einer Unterschriftenaktion.

Was war geschehen? Ein Investor hatte beim Bauaufsichtsamt des Kreises den Antrag gestellt, zwischen Esch und Tollhausen in einem Abstand von 250 Metern zur Wohnbebauung eine Schweinemastanlage zu errichten und dort 899 Schweine zu halten.

Ab 900 Schweinen müsste ein größerer Abstand eingehalten werden.

Die Einwohner machen sich nun Sorgen darüber, dass es zu starken Lärm-, Schmutz- und Geruchsbelästigungen kommen wird, die auch die Nachbarorte Esch, Nieder- und Oberembt betreffen könnten.

Die Elsdorfer Verwaltung stellte das "Einvernehmen" zu dem Antrag nicht her und nahm dieses Thema in die nächste Tagesordnung des Ausschusses für Bau und Planung auf.

Bürgermeister Wilfried Effertz und die Fraktionen sprachen sich in aller Deutlichkeit gegen die Ansiedlung aus, unter anderem mit Blick auf das geplante Naherholungsgebiet nach dem Rückbau der Bandanlage. Dort soll am Tagebaurand ein Terrain entstehen, wo Besucher spazieren und radeln können - kaum mit Schweinemast und stinkender Gülle vereinbar. Des weiteren wäre ein Bestandteil des Projekts "Terra Nova" gefährdet.

Wie der Elsdorfer Beigeordnete Johannes Mies mitteilte, hat die Elsdorfer Verwaltung das Vorhaben beim zuständigen Bauamt des Rhein-Erft-Kreises abgelehnt. "Anlass zu dieser Entscheidung war die Tatsache, dass zu viele Punkte des Bauvorhabens nicht zu klären waren, wie zum Beispiel die Geruchsimmissionsprognose und die wegemäßige und abwassertechnische Erschließung des Schweinemastbetriebes in der bislang unbebauten Feldflur nördlich des verlängerten Reitweges in Elsdorf-Tollhausen.", erläuterte Mies.

Das Problem für die betroffenen Bürger liegt nun darin, dass die Gemeinde (noch) keine eigene Bauaufsichtsbehörde hat und deshalb die Entscheidung über den geplanten Bau nicht in Elsdorf, sondern beim -Rhein-Erft-Kreis getroffen.

Tollhausens Ortsvorsteher hatte nun die Idee, den Landrat Werner Stump die Unterschriften-liste zu übergeben und ihn vor Ort um eine Stellungnahme zu bitten. Und dies geschah auch im Beisein vom Bürgermeister und ein paar Dutzend Anwohnern.

Der Landrat dankte Habrich für seine Initiative. Aber "es ist wichtig und richtig, den Antrag erst zu prüfen, ansonsten ist man parteiisch", stellte Stump klar. Er wolle unter vier Augen mit dem Antragsteller sprechen und wies darauf hin, dass eine Güterabwägung zwischen den Interessen des Antragstellers und der Bürger unter Berücksichtigung des zukünftigen Erlebnisraums stattfinden müsste. Gerade vor kurzem habe er von der Landesregierung einen Scheck über 650.000 Euro erhalten, der zu einem Teil auch zur Kostendeckung für die Umgestaltung der Bandanlage (Projektbaustein terra nova) dient.

Habrich führte aus, dass auch die Lebensqualität und der Wert der Immobilien verringert würden. Eine weitere Sorge der Anwesenden war eine mögliche spätere Vergrößerung des Mastbetriebs. Zudem fragten sie sich, was passiert, falls dort die Schweinepest auftritt: Dann lägen Tollhausen und Esch im Sperrbezirk von drei Kilometern. Auch der hinreichende Tierschutz und die Schweinetransporte waren Themen. Zudem sei der gesetzlich vorgeschriebene Abstand von 300 Metern zu den Häusern nicht gegeben.

Der Bürgermeister schlug vor, ein Gutachten in Auftrag zu geben, mit dem bestimmte Flächen in der Gemeinde für einen derartigen Betrieb als geeignet ausgewiesen werden. Außerhalb dieser sogenannten Vorrangflächen wären derartige Vorhaben dann nicht mehr möglich. Bis zur Änderung des Flächennutzungsplanes würde eine Veränderungssperre gelten. Das Vorhaben wurde also vorerst auf Eis gelegt.

Für Habrich bedeute diese Aktion "die größte Herausforderung in seiner Funktion als Ortsvorsteher von Tollhausen". Trotz des Wahlkampfes sind sich die Politiker einig. Der Rat will sich in Kürze wieder mit dem Thema in einer Sondersitzung beschäftigen.

 Ortsvorsteher Rudolf Habrich überreicht Landrat Werner Stump die Unterschriftenliste



 Widerstand macht sich in der Bevölkerung breit